Gíslason, Ólafur

* 1962 in Reykjavik (IS), lebt und arbeitet in Hamburg und Reykjavik

Netzseite des Künstlers

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BLICKWECHSEL in Warendorf Ólafur Gíslason Foto: Künstler

Projekt: Identity check

In Workshops haben Einwohner Warendorfs ihre Kleidungsstücke auseinander genommen und zu neuartigen Fahnen zusammen genäht, die am Marktplatz aufgehängt sind. In seinem Projekt fragt Ólafur Gíslason nach Funktion und Inhalt von Identität.

 

Unter dem Titel Identity check hatte der isländische Künstler Ólafur Gíslason bereits im Frühjahr 2010 in Reykjavik und im Sommer 2010 in Hamburg mit Jugendlichen in einem Kunstprojekt gearbeitet. Gíslason machte sich dabei zunutze, dass Kleidung häufig nicht nur als Ausdruck von Stimmungen und Gefühlen eingesetzt wird, sondern sich in ihr auch Teile des Selbstbildes, ja: der Identität des Kleidungsträgers niederschlagen. Gemeinsam mit den Jugendgruppen fertigte der Künstler aus deren Kleidungsstücken, quasi aus dem abgestreiften Ich, große Fahnen, die als Sinnbild für die Potentiale der kreativen Gruppen standen und zum Kunstwerk transformiert wurden.

 

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Alle Fotos © Carsten Gliese

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In Warendorf hat die Beflaggung der Häuser Tradition. Zu allen großen Festen, seien es Schützen- oder Heimatfeste, beeindruckt insbesondere der historische Marktplatz durch eine aufwändige Beflaggung. Als Gíslason das bei seinem ersten Besuch in Warendorf sah, entwickelte er die Idee von Identity check weiter. Die Bewohner und Mitarbeiter von sieben Institutionen und Geschäftslokalen waren als Anlieger des Marktplatzes bereit, mitzuwirken, indem sie eigene Kleidungsstücke beisteuerten. Infolgedessen konnten während eines Workshops sieben Säcke voller Kleidung für 40 Kreative bereit stehen, die sich zur Mitarbeit entschlossen hatten.

Unter der Leitung von Ólafur Gíslason wurde die Kleidung an den Nahtstellen getrennt und anschließend so geheftet, gestaltet, gesteckt und zusammengenäht, dass sieben, jeweils 2 x 4 Meter große Fahnen entstanden. Jede Fahne hat dabei eine individuelle Gestalt. Das liegt zum einen an der unterschiedlichen Herkunft der Kleidungsstücke, die unter anderem aus einer Bäckerei, einem Friseursalon und einer Apotheke stammen. Die dortigen Mitarbeiter waren darum bemüht, bei der Zusammenstellung der Kleidung ihren Berufsstand zu repräsentieren. Ein anderer Grund für die Unterschiedlichkeit der Fahnen liegt in den jeweiligen Personen begründet, die daran gearbeitet haben. Das eigene Können, die eigenen Vorstellungen von Farbe und Form, die jeweiligen Erfahrungen etc. spielten eine Rolle, so dass sich in den Fahnen nicht nur die Herkunft ihrer Bestandteile widerspiegelt, sondern auch die Individualität der Teilnehmer des Workshops.

Der Identity check wurde fortgesetzt mit der Beflaggung der Häuser, aus denen die Kleidung ursprünglich kam. Die Geber begegneten den Kreativen, unterschiedliche Individualitäten trafen aufeinander. Man staunte über die Verwandlung der Kleidung – und vielleicht auch über die Potentiale von Selbstausdruck, die sich in Kleidung niederschlagen können.

Als die Fahnen schließlich an den Häusern hingen, konnten sich die Besucher des Marktplatzes fragen, welche Identitäten dort eigentlich ausgestellt sind.

Horst Breuer

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