Dick, Helmut

*1969 in Bonn-Duisdorf (DE), lebt und arbeitet in Amsterdam

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BLICKWECHSEL in Viersen Helmut Dick Foto: Künstler

Projekt: Die Jesusbaustelle

Das Projekt wurde an der Kirche St. Cornelius realisiert.

 

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Situation vor der Installation

Die Installation Die Jesusbaustelle konzentriert sich auf den Eingangsbereich vor dem Nordportal der neugotischen Kirche St. Cornelius am Alten Markt im Viersener Stadtteil Dülken. Über dem Portal halten inmitten zahlreicher Ornamente zwei Engel das Dülkener Stadtwappen zu Füßen einer Madonnenskulptur mit Kind. Für die künstlerische Setzung wurde ein Abguss des sich in Marias Armen befindenden Jesuskindes erstellt. Danach wurden Reproduktionen des Abgusses vorgenommen, so dass multiple Jesuskindfiguren entstanden. Diese Figuren sind das zentrale Element der Jesusbaustelle und in Form eines kleinen Berges auf dem Treppenabsatz vor dem Portal platziert. Ergänzt wird der ‚Jesusberg‘ durch Baumaterialien und Werkzeuge, einen Sandhaufen, Schaufeln, eine Schubkarre und einen Eimer. Die so entstandene ‚Baustelle‘ wird durch einen Bauzaun sowie Baken und Warnlampen gesichert.

Helmut Dicks Installation fragt nach der aktuellen Bedeutung kirchlicher Architektur und Kunst. Anstatt als Orte der Besinnung und des Gebets angesehen zu werden, dienen Kirchengebäude inzwischen eher als wichtige Bestandteile des Stadtmarketings, da sich die historischen Gemäuer gut als Hintergrundkulisse auf Fotografien eignen. Die auf den ersten Blick wie zu Restaurierungsarbeiten eingerichtet wirkende Baustellensituation von Helmut Dicks Arbeit ist spätestens beim Anblick des kleinen ‚Jesusberges' nicht mehr klar einzuordnen. Der scheinbar respektlose Umgang mit einem Kernsymbol christlichen Glaubens will das Symbol an sich nicht in Frage stellen. Die Anhäufung der Jesusrepliken erinnert an die serielle Produktpalette von Souveniershops an Wallfahrtsorten. An dieser Stelle wird die Frage nach der aktuellen Bedeutung von und dem Umgang mit kirchlicher Kunst zusätzlich um einen kircheninternen Aspekt erweitert. Die Arbeit verweist auf die alte, aber ebenso aktuelle theologische Fragestellung nach dem Umgang mit Abbildern.

Darüber hinaus stellt die Installation die Frage nach der Bedeutung des Glaubens an sich. Sinnfällig ist die Parallele zur lebenslangen Auseinandersetzung eines religiösen Menschen mit seinem Glauben, den er sich immer wieder erarbeiten muss. Die Kirche erscheint zwar als Ort der Vergewisserung, dies zu tun, wird aber durch die künstlerische Setzung selber in Frage gestellt: an ihr wird gebaut. Sie ist nicht fertig, sondern sie erscheint als offene Baustelle. Das Haus des Glaubens ist selber dem Wandel und der Erneuerung ausgesetzt. Die Zweifel und Ungewissheiten, die der Mensch in seiner Auseinandersetzung mit dem Glauben hat, werden auch in der Installation thematisiert, die letztlich dem Betrachter sein eigenes Urteil über den Zustand seiner ‚Lebensbaustelle’ und seiner Beziehung zum Glauben überlässt.

Tanja Muschwitz

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Alle Fotos ©Carsten Gliese
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