Lehmann, Matthias
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* 1965 in Chemnitz (DE), lebt und arbeitet in Dresden |
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| BLICKWECHSEL in Soest | Matthias Lehmann Foto: Künstler |
Projekt: Wellenbrecher
Untersuchungen des im März gegründeten ‚Vereins zum Schutz der Insel im Großen Teich’ bestätigen die große Gefährdung der Insel durch den Klimawandel. Der Stadtrat beschloss im Juli die Wasserschutzbebauung und Matthias Lehmann führt sie nun mit seinen ‚Wellenbrechern’ durch.


Ausgangspunkt ist der Ort: die kleine Insel im Großen Teich und die hypothetische Annahme, dass diese Insel (beispielsweise durch den Klimawandel und damit einhergehende veränderte Witterungsverhältnisse) bedroht sein könnte. Die Intervention Wellenbrecher setzt sich für den Erhalt dieses beschaulichen Ortes ein, der in einer Stadt wie Soest, mit ihren Fachwerkhäusern und einem eher kleinbürgerlichem Anschein, ein besonders idyllisches Plätzchen bildet. Wellenbrecher aus Beton, die normalerweise im Küstenschutz und für Hafenbefestigungsanlagen im Mittelmeerraum zum Einsatz kommen, sollen den westlichen – besonders bedrohten – Teil der Insel schützen. Neben der realen Installation der Wellenbrecher auf der Insel im Großen Teich gibt es von mir verfasste Presseartikel und Untersuchungsberichte sowie angefertigte Zeichnungen und Videos, die die Bemühungen des Vereins zum Schutz der Insel im Großen Teich e.V. um den Erhalt der Insel wiedergeben und dokumentieren.
Die Installation Wellenbrecher greift die besondere Beschaffenheit des Ortes auf und reagiert mit einer überspitzten Maßnahme. Neben diesem ironischen Kommentar existiert durchaus auch eine ernste Dimension: In naher Zukunft müssen sich aufgrund der Klimaveränderungen und dem Ansteigen der Meeresspiegel immer mehr Küstenregionen ernsthafte Gedanken zum Küstenschutz machen. Dabei sitzen die Verursacher dieser Klimakatastrophe zumeist in trockener Sicherheit.
Der Blickwechsel besteht in der frappierenden räumlichen Veränderung, der diese beschauliche kleine Insel unterzogen wird. Selbst wenn die Wellenbrecher vom uneingeweihten Bürger der Stadt nicht als solche erkannt werden, wirft die plötzliche Präsenz solcher merkwürdigen Betonkörper an diesem Ort doch erhebliche Fragen auf. Auch nach der Demontage der Installation wird die zeitweilige Veränderung der Insel in Gedanken immer ein Bestandteil der Insel bleiben.
Diese Wellenbrecher – oder auch Tetrapoden, wie sie wegen ihrer vom Tetraeder abgeleiteten Form genannt werden – üben gerade wegen ihres speziellen Aufbaus eine besondere Faszination auf mich aus. Die zentralsymmetrische Form lässt sich räumlich nur schwer fassen, und wenn mehrere dieser Körper über- und nebeneinander gestapelt werden, ergibt das eine spannende, nicht mehr überschaubare, räumliche Struktur. Da ich aus der Bildhauerei komme, interessiere ich mich besonders für den dreidimensionalen Raum, für räumliche Prozesse und deren Wahrnehmung. Neben dem realen Raum spielt zunehmend der virtuelle Raum, speziell das Internetprojekt earth net art (http://www.earthnetart.com) eine besondere Rolle in meinen Arbeiten.
Matthias Lehmann
