Wehrmann, Mark
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* 1970 in Stadthagen (DE), lebt und arbeitet in Hamburg |
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| BLICKWECHSEL in Schwerte | Mark Wehrmann Foto: Künstler |
Projekt: Gerrenbach, Schwerte
Der Künstler überträgt mit minimalistischen Mitteln eine Situation aus einer
Plattencovergestaltung der niederländischen Band Pestilence auf den Realraum.

Die Arbeit besteht aus einem Schaukasten neben dem Ablauf des Stausees in Schwerte-Ost.
Eine kurze Wegbeschreibung vom Bahnhof Schwerte
Auf dem Weg sieht man nicht nur den mittelalterlichen Stadtkern, sondern auch die denkmalgeschützte Kreinberg-Siedlung neben dem ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerk. Der Fußmarsch ist etwa 3 Km lang und dauert 30 min. Alternativ fährt die Buslinie C31 bis zur Haltestelle Von-Borries-Weg.
Vom Bahnhof aus der Bahnhofstraße bis zum Ende folgen und weiter geradeaus entlang der Straße Postplatz. An der zweiten Abzweigung links in den Nordwall abbiegen. Der Straße folgen und an der großen Kreuzung weiter geradeaus entlang der Wittekindstraße. Nach der Überquerung der Bethunestraße (B256) an der zweiten Ecke rechts in die Ostberger Straße abbiegen.
Weiter bis zum Ende und links unter der Brücke hindurch. Danach sofort rechts in die Straße Am Quickspring. Hier hält auch der Bus C31 an der Haltestelle Von-Borries-Weg.
Der Straße Am Quickspring durch die Kreinberg-Siedlung folgen. An der Kreuzung Am Hohenstein rechts abbiegen und bis zum Ende gehen. Am Parkplatz etwas links halten, den Spielplatz links liegenlassen und dem Weg bis zum Ende folgen.
An der Kreuzung mit der Lichtendorfer Straße rechts in den Fußweg einbiegen.
Hier steht die Schautafel.
(Hinweis für Navigationsgeräte: Der Gerrenbach heißt in Schwerte 'Gehrenbach')



Der Ausfluss des Gerrenbach-Stausees (eine andere Schreibweise ist Gehrenbach-Stausee) in Schwerte-Ost ist ein völlig unscheinbares Betonbauwerk, das etwas versteckt neben einem Fußweg liegt. Nur aus einer bestimmten künstlerischen Perspektive lässt sich der etwas überproportioniert erscheinende Wellenbrecher als archaisches Objekt interpretieren, das irgendwo zwischen dem Monolithen aus Stanley Kubricks Film 2001(1968) und dem Film Stalker (1979) von Andrei Tarkowski liegt.
Der Ort liegt hinter dem ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerk. Der Weg dorthin führt durch die Kreinbergsiedlung, eine in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandene Arbeitersiedlung, welche jetzt unter Denkmalschutz gestellt ist. Die mögliche Annäherung als Spaziergänger vom Zentrum aus, das von alten Fachwerkgebäuden geprägt ist, durch die umliegenden Gürtel späterer Bebauung hindurch bis in die postindustrielle Peripherie, diese imaginative Zeitreise ist gedachter Teil des Projektes. Wie ein Baum um Jahresringe wächst, so hat sich auch die Stadt konzentrisch erweitert und am Installationsort von Gerrenbach, Schwerte befinden wir uns gewissermaßen in der Jetztzeit. Die Schwerindustrie hat das Ruhrgebiet verlassen. Die Industriehallen wurden erfolgreich umgenutzt und die Wohnstätten des ehemaligen Industrieproletariats werden zum Kulturgut.
In der Zeit, als man noch das Metall im Hochofen zum Schmelzen brachte, liegt die Entstehungsphase des Heavy Metal im Ruhrgebiet. In der Zeit des Thrash Metal konnten einige lokale Bands internationalen Ruhm in der Szene ernten. Allen voran die Band Kreator, über deren Lebensart und soziales Umfeld sich Mark Wehrmann schon in jungen Jahren durch die WDR Reportage Thrash Altenessen von Thomas Schadt informieren konnte. Es existiert die verbreitete Ansicht, dass der große und anhaltende Erfolg der heimischen Thrash Metal-Bands die nächste Avantgarde innerhalb des Genres davon abhielt, sich im deutschen Raum richtig zu etablieren. Unter dem Begriff Death Metal gründeten sich vor allem in den skandinavischen Ländern und den Niederlanden zahlreiche neue Bands. Dort konnten sie auch auf eine gut ausgebaute, staatlich subventionierte Clublandschaft zurückgreifen.
Am Installationsort von Gerrenbach, Schwerte informiert ein Schaukasten mit Fotos über die Vorgänge am Bachlauf. Der Künstler hat mit minimalistischen Mitteln versucht, eine Situation aus einer Plattencovergestaltung auf den Realraum zu übertragen. Das Frontmotiv des 1991er Albums Testimony of the Ancients der niederländischen Band Pestilence zeigt das Innere eines gotisch-sakral anmutenden Gebäudes mit expressionistischen Spitzbögen. Im Zentrum befindet sich ein seltsames, schwebendes Objekt über einem martialisch mit Ketten verzierten Schacht. Es erinnert an eine kardanische Aufhängung, aber auch an astronomische Modelle wie die Armillarsphäre, auch Weltmaschine genannt. In diesem Objekt befinden sich jedoch zusätzlich seltsame, organisch anmutende Körper, welche dazu verleiten, das Objekt gleichzeitig als biologische Zelle mit Nukleus zu deuten und somit Mikro- und Makrokosmos gedanklich zusammenzuführen.
Dan Seagrave war in den frühen 1990er Jahren ein gefragter Grafiker im Death Metal-Segment, nachdem er für eines der einflussreichsten Alben des Genres, Altars of Madness der amerikanischen Band Morbid Angel, das Artwork geliefert hatte. Seine Arbeiten zeigen selten Figuren, sondern meist surreale Landschaften und Architekturen. Der Fantasy-Spielfilm Der dunkle Kristall (1982) von Jim Henson und Frank Oz enthält zwei Elemente, welche an Seagraves Pestilence-Cover erinnern. Zum einen ist es ein eindrucksvolles astronomisches Weltenmodell, welches voll beweglich ein ganzes Gebäude ausfüllt, und zum anderen ist es der titelgebende Kristall, welcher schwerelos über einem mit Lava gefüllten Schacht schwebt. Solche animistischen, magischen Objekte sind in der Science Fiction-Literatur durchaus verbreitet. So gibt es in dem Roman Picknick am Wegesrand (1971) von Arkadi und Boris Strugatzki eine schwebende goldene Kugel, welche in der Lage ist, alle Wünsche zu erfüllen. Der Roman war Vorbild für den oben erwähnten Film Stalker von Tarkowski. Die Kugel wird hier durch einen bloßen Ort, genannt ‚das Zimmer‘, ersetzt.
M. alias Martin van Drunen
