Klegin, Thomas
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* 1961 in Bochum (DE) Deutschland, lebt und arbeitet in Schwerte |
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| BLICKWECHSEL in Arnsberg | Thomas Klegin Foto: Henryk Brock |
Projekt: RE_MINDER
Ein partizipatives Skulptur- und Kooperationsprojekt, das als dialektische Intervention den Fokus vom Arnsberger Neumarkt auf Arnsbergs ‚Gute Stube’, den Alten Markt, lenken und eine Wechselwirkung zwischen Gegenwart und Historie initiieren möchte.

RE_MINDER
Ein partizipatives Skulptur- und Kooperationsprojekt, das als dialektische Intervention
den Fokus vom Arnsberger Neumarkt auf Arnsbergs „Gute Stube“, den Alten Markt
lenken und eine Wechselwirkung zwischen Gegenwart und Historie initiieren möchte.
Temporär hinterfragt es einen möglichen Bedeutungs- und Bewusstseinswandel
bezüglich der Relevanz und Akzeptanz von Kunst im öffentlichen Raum.
Mit den von mir für den BLICKWECHSEL simultan geplanten Interventionen auf dem
Arnsberger Neumarkt sowie am Maximilianbrunnen auf dem Alten Markt möchte ich
beide Plätze in Relation setzen, miteinander verbinden und insbesondere den Neumarkt
deutlich ins Bewusstsein rücken, reaktivieren und als innerstädtischen Platz reanimieren.
Meine Intervention am Alten Markt sieht eine Einrüstung und blickdichte, rote Folien-
umkleidung des Maximilianbrunnens vor, um den Brunnen für die Zeitspanne vom
04. September 2010 bis zum 26. September 2010 einer Betrachtung zu entziehen.

Foto: Thomas Klegin
Die so an eine Baustelle erinnernde Intervention am touristischen Publikumsmagneten
trägt aber keine dahingehenden Erläuterungen oder Hinweise zu gegenwärtigen
Restaurierungsarbeiten.
Als alleinige Information soll ein Hinweis sowie eine Einladung zu einem für den
26. September geplantes Brunnenfest sowie einen für den selben Tag vorgesehenen
Festakt auf dem wenige Hundert Meter entfernten Neumarkt angebracht sein.
Des weiteren, ein Hinweis auf eine am selben Ort stattfindende „Festauftaktveranstaltung“
am 12. September 2010.
Für diesen Zeitpunkt sehe ich einen öffentlichen Festakt vor, mit dem die von mir
im Rahmen des Ausstellungsprojektes BLICKWECHSEL für den Platz konzipierte
skulpturale Installation Re_Minder seitens des Bürgermeisters der Stadt Arnsberg
baulich „vollendet“ und der Öffentlichkeit vorgestellt und übergeben werden soll.
Meine Intervention auf dem Neumarkt ist für vorbereitende Arbeiten bereits ebenfalls
für den 04. September vorgesehen, an dem ich, im Zentrum des Platzes, ein Baustellen-
abperrgittergeviert aufstellen lassen möchte, das, mittels bausstellenadäquaten Absperr-
bandumspannungen, sichtlich auf eine Baustelle verweist und eine geschützte Errichtung
der geplanten Skulptur ermöglichen soll.
Der Re_Minder ist eine skulpturale „Re_Okkupation“ des Arnsberger Neumarktes
und temporäres Denkmal in Reminiszenz an das Kreiskrieger-Ehrenmal von 1870/71
an seinem einstiegen Standort von 1875; das heute, nach einem Standortwechsel,
etwa Mitte der 30er Jahre war es in die Promenade vor der heutigen Schützenhalle
versetzt worden, und einer vorübergehenden Demontage um 1975 mit Zwischen-
lagerung auf dem städtischen Bauhof, seinen Platz und Verbleib ab 1991 auf dem
Eichholzfriedhof der Stadt gefunden hat.

Foto: Thomas Klegin
Ich plane den Re_Minder als einen, größenproportional dem Postament der Ehren-
Säule des Kriegerdenkmals entsprechenden, ca. 400 kg schweren Betonsockel,
mit einer lotrecht eingebrachten und im/am Sockel arretierten, 2 Meter langen,
transparenten Polycarbonatglasrohrsäule.
Die in den Betonsockel eingestellte 2,50 Meter aufragende Rohrsäule soll über der
120 cm hohen Sockeloberkante, in 5 Abständen von 20 cm, mit jeweils 4 vertikalen,
mittelaxial umlaufenden Schlitzöffnungen versehen sein, die so ersichtlich werden
lassen, dass sie Säule mit ihrem Münzeinwurfsschlitzen als Geldsammelbehälter
fungieren soll.
Da der 50 cm lange untere Säuleabschnitt in dem sie ummantelten Sockel verborgen
ist, blieben die bis nahe der Sockeloberkante eingebrachten Geldspenden zunächst
verborgen und nicht sicht- oder schätzbar. Erst mit erreichen der Sockeloberkante
würde ein Sammlungsbestand in der Säule öffentlich sichtbar!
Ein im Säulendeckel vorgesehener Spiegel reflektiert die Säulenbasis oder die
Oberfläche des Säuleninhaltes unterhalb der Sockeloberkante.
Der Re_Minder ist somit als ein im öffentlichen Raum platzierter und einsehbarer
„Kollektensammler“ konzipiert, der einen Hinweis tragen soll, dass er Bestandteil
eines partizipativen Skulptur- und Kooperationsprojektes ist und die in ihn einge-
brachten Geldspenden einem Initiativprojekt zugeführt werden, das sich um
die Erhaltung und Restaurierung des Maximilianbrunnens auf dem Alten Markt
der Stadt bemüht.
Bis zum 26. September ist die partizipative Skulptur somit ein „Seismograph“ und
eine Maßsäule, die, als temporäres Ehrenmal, bürgerliches Engagement öffentlich
sichtbar werden lässt!
Auf einer angebrachte Tafel haben Spenderinnen und Spender die Gelegenheit
sich namentlich einzutragen, um auf einem geplanten „Donatorentafel“ angeführt
werden zu können.
In einer geplanten „Prozession“ soll der Re_Minder im Rahmen der Eröffnung
des Brunnenfestes am 26.September vom Neumarkt auf den Alten Markt zum
eingehüllten Maximilianbrunnen transportiert werden.
Unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters der Stadt soll die „Kollektorsäule“
mit Abschluss des Brunnenfestes dem Sockel entnommen, geöffnet und die Kollekte
der Brunneninitiative Arnsberg öffentlich übergeben werden.
Nach Blick- und Standortwechsel vom Neumarkt zum Alten Markt und einer
erfolgreichen Instandsetzung des Maximilianbrunnens mit den gesammelten
„Bauopfern“, soll der Re-Minder als „nachhaltiges Zeichen“ von gelebter Geschichte
in Arnsberg verbleiben und einen geeigneten Standort finden, um, gegebenenfalls
und andernorts, wieder temporär ins öffentliche Bewusstsein gestellt werden
zu können und damit vielleicht erneut einen BLICKWECHSEL zu initiieren.
Thomas Klegin | August 2010
